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Stürme über Deutschland

Mit dem Begriff Sturm werden meteorologische Ereignisse bezeichnet, bei denen sehr hohe Windgeschwindigkeiten an der Erdoberfläche auftreten. Ein geläufiges Hilfsmittel zur Einschätzung der Windgeschwindigkeiten ist die Beaufort-Skala. Sie klassifiziert Windgeschwindigkeiten und ihnen zugeordnete Wirkungen über Land und über dem Meer. Sie reicht von der Stärke 0 (Windstille) bis Stärke 12 (Orkan). In vielen Versicherungsverträgen wird das Erreichen der Stärke 8 (62–74 km/h) als Voraussetzung für eine Zahlungsverpflichtung genannt.

In Deutschland sind Stürme keine Seltenheit. Fast die Hälfte aller Schadenereignisse durch Naturgefahren in Europa sind auf Stürme zurückzuführen (siehe DKKV-Synthesebericht: S.8). Auch der Anteil an den wirtschaftliche Schäden ist hoch (ca. 1/3),  wobei die Zahl der Todesopfer aufgrund von Stürmen deutlich geringer ist als, zum Beispiel, die aufgrund von Hitzewellen.

Als Beispiel sei hier das Orkantief "Friederike" genannt, das im Januar 2018 über Deutschland hinwegzog. Dabei kam es vor allem in der Mitte und im Westen Deutschlands zu orkanartigen Böen, starkem Regen und Schneefall. Auf dem Brocken im Harz wurden Windgeschwindigkeiten von 203 km/h erreicht, auf der Zugspitze in Süddeutschland wurden 158 km/h gemessen. Die stärksten Böen waren somit den Klassen zwischen 10 und 12 nach der Beaufort-Skala zuzuordnen (DWD 2018). Umgestürzte Bäume und weitere Sturmschäden hielten rund 2.000 Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW) im Einsatz. Dabei geht es vorrangig um die Freiräumung von Verkehrswegen, die durch umgestürzte Bäume blockiert waren sowie um die Sicherung von abgedeckten Dächern (Die Bundesregierung 2018). Acht Menschen kamen als Folge des Sturms ums Leben (Tagesschau 2018).

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beziffert das versicherte Schadensausmaß auf ungefähr 1 Milliarde Euro. Damit liegt die Schadenssumme von Orkantief „Friederike“ hinter der versicherten Schadenssumme von Orkantief „Kyrill“ im Januar 2007, der damals Schäden in Höhe von rund 2 Milliarden Euro verursachte (GDV 2018). Dennoch gilt „Friederike“ laut Deutschem Wetterdienst als einer der stärksten Stürme seit „Kyrill“ (DWD 2018).

Die Vielzahl von Stürmen im Herbst und Winter ist jedoch kein Zufall. Ihre Entstehung wird im Folgenden näher erläutert.

Die Entstehung von Stürmen in Deutschland und Europa

Großflächige Stürme über Europa haben in der Regel ihren Ursprung über dem Nordatlantik. Vor allem im Winter sind die Unterschiede in der Lufttemperatur zwischen den Tropen und dem Polargebiet durch eine veränderte Energieaufnahme von der Sonne besonders groß. Die geringe Sonneneinstrahlung führt dazu, dass sich die Luft über der Polarregion stärker abkühlt.  Die Temperaturunterschiede führen auch zu einer abweichenden Dichte der Luftmassen – hierbei besitzen wärmere Luftmasse im Vergleich zu kälteren Luftmassen an den Polen eine geringere Dichte. Eine Ausgleichsströmung entsteht, welche zu Wolken, Niederschlägen oder Gewittern führen kann. Je stärker hierbei die Druck- und Temperaturunterschiede, desto stärker sind die Ausgleichsströmung und die aus ihr resultierenden Winde.

Der Jetstream bezeichnet hierbei einen Starkwind, der zwischen kalten und warmen Luftmassen über den mittleren Breiten in circa 11 km Höhe weht. Dabei reißt der Jetstream die unteren Luftschichten aus Hochdruck- und Tiefdruckgebieten mit und hat somit einen erheblichen Einfluss auf unser Wetter.

Einfluss auf die lokale Stärke des Starkwindes hat auch die Gelände- und Oberflächengestalt. An luvseitigen Hängen, auf Kuppen, Dächern und an Gelände- und Gebäudeeinschnitten kann es zu einer Drängung von Stromlinien und damit zu einer Verstärkung der Windgeschwindigkeit kommen. An hochreichenden Wolken, wie Gewitterwolken, können ebenfalls Starkwinde durch große Temperatur- und Luftdruckunterschiede entstehen.

 

Die Bezeichnung der Stürme in Hurrikane, Taifun oder Zyklon ist abhängig von dem Entstehungsort: Stürme über dem Nordatlantik und dem Nordostpazifik werden als Hurrikan bezeichnet, Taifune treten im nordwestlichen Teil des Pazifiks auf. Zyklone bezeichnen hingegen tropische Wirbelstürme, die im Indischen Ozean sowie im Südpazifik vorkommen (Erfahren Sie mehr zu den Unterschieden).

Schäden und Vorsorgemaßnahmen

Die Schäden aus dem vergangenen Januar 2018 zeigen, dass Stürme verheerende Schäden verursachen können. Bei Windgeschwindigkeiten ab 100 km/h knicken jährlich zahlreiche Bäume um, Ziegel fallen von den Häusern und beschädigen Autos oder persönliches Eigentum. Schäden entstehen nicht nur in Wäldern und im Umkreis von Gebäuden - umstürzende Bäume an Verkehrswegen können Straßen und Schienen blockieren, und zudem Schäden an Stromleitungen und somit Stromausfälle verursachen. Große Gegenstände, die dem Wind eine große Angriffsfläche bieten, können durch die Böen aus ihrer Verankerung gelöst werden. Treten solche Auswirkungen flächenhaft auf, kann es zu starken Auswirkungen auf das Verkehrs- und Versorgungssystem kommen, wie u.a. Straßen-, Luft- und Bahnverkehr und die Stromversorgung. Orkane in Küstengebieten können zu Sturmfluten und Überschwemmungen führen (BBK 2015)Todesfälle und Personenschäden werden meist indirekt durch Sturm verursacht, beispielsweise durch Autounfälle oder herabfallende Gegenstände. Das Risiko dieser Schäden lässt sich häufig jedoch kaum komplett beseitigen oder umgehen.

Zur Verringerung negativer Auswirkungen und direkter Schäden, bedarf es vorausschauender Planung, der Vorsorge.

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