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Sommertage mit Temperaturen von mehr als 25°C gehören zu einem angenehmen Sommer. Hitze kann jedoch schnell zur Belastung werden, wenn hohe Temperaturen lange anhalten und es auch nachts nicht abkühlt.

Hitzewellen über Deutschland

Eine einheitliche Definition von Hitzewellen liegt nicht vor. Der Deutsche Wetterdienst bezeichnet eine Hitzewelle als „eine mehrtägige Periode mit ungewöhnlich hoher thermischer Belastung“. Der DWD definiert in seinem Hitzewarnsystem eine Hitzewelle auf der  Basis der Gefühlten Temperatur um die Mittagszeit, den Innenraumbedingungen während der Nacht und der zeitlichen Anpassung der Menschen an Hitze. Warnungen gelten jeweils für den aktuellen und nächsten Tag für verschiedene Höhenstufen in den jeweiligen Landkreisen.

Zu der letzten großen Hitzewelle kam es im Sommer 2018: Laut dem Deutschen Wetterdienst stellte der Juli 2018 einen der wärmsten Juli-Monate seit Beginn regelmäßiger Messungen im Jahr 1881 dar. Die bundesweite Durchschnittstemperatur lag im Juli mit 20.2 °C um 3.3 °C höher als der Wert der gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990. Zusätzlich zu der starken Wärmebelastung traten erhebliche Niederschlagsdefizite auf: im Bundesmittel fielen im Juli nur 52 % (40 l/m2) der durchschnittlichen Niederschläge, die normalerweise auftreten (78 l/m2). Dabei ergaben sich räumlich starke Differenzen: der niedrigste Wert lag bei 20 l/m2 in Schleswig-Holstein und der höchste Wert bei 150 l/m2 im bayerischen Alpenraum (DWD). Durch die ausbleibenden Niederschläge entwickelte sich zudem eine ausgeprägte meteorologische/landwirtschaftliche Dürre. Das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) zeigt anhand des sogenannten Dürremonitors dass mehr als 80% der Fläche Deutschlands sowohl im Oberboden als auch über die gesamte Bodentiefe von Dürre betroffen sind (Anfang August 2018).

Die Entstehung von Hitzewellen in Deutschland und Europa

In Europa werden sommerliche Hitzewellen meist durch ausgeprägte und fast stationäre Hochdruckgebiete ausgelöst. Diese Hochdrucklagen befinden sich meist über Osteuropa oder Skandinavien und verbinden sich zudem mit einem Azorenhoch. Durch diese Lage können sich trockene sowie warme Luftmassen aus Nordafrika nach Mitteleuropa bewegen. Die sommerliche Hitzewelle 2018 resultiert hingegen aus zwei über Skandinavien und Großbritannien liegenden stationären Hochdruckgebieten, die niederschlagsreiche Tiefdruckgebiete wegleiten und somit den Einfluss des Atlantiks unterbinden. Die trockene Luft kommt somit ausschließlich aus östlicher Richtung und verhindert das Zufließen der Westdrift. Aufgrund einer positiven Rückkopplung bleibt diese Wetterlage sehr stabil.

Schäden durch Hitzewellen

Die Auswirkungen von Hitzewellen können vielfältig sein:

Die Waldbrandgefahr ist durch eine starke Austrocknung des Oberbodens sowie der Bodenvegetation erhöht. In Schweden und Griechenland waren die Waldbrände im Juli 2018 so verheerend, dass das Katastrophenschutzverfahren der Europäischen Union in Gang gesetzt wurde um Unterstützung aus dem europäischen Ausland zur Löschung der Brände hinzuzuziehen. Auch die Transportinfrastruktur  kann durch Hitzeschäden geschädigt werden, beispielsweise können durch eine übermäßige Ausdehnung aufgrund der Hitzeeinwirkung sogenannte „Blow-ups“ auftreten. Auf Autobahnen kann dies zu einer Einführung von Tempolimits bis hin zu einer kompletten Sperrung führen. Der Flughafen in Hannover musste aufgrund der Hitzewelle 2018 einen Tag gesperrt werden, da die Start- und Landebahn durch die Hitze aufgebrochen war. Durch die fehlenden Niederschläge haben viele Flüsse niedrige Wasserstände, was zu einer Einschränkung bzw. Einstellung der Schifffahrt führen kann. Zudem steigen die Temperaturen in Flüssen und Seen stetig an, was negative ökologische Folgen wie Fischsterben nach sich ziehen kann. Auch die Badewasserqualität in Seen, Flüssen und Meeren kann durch steigende Temperaturen abnehmen, da sich vermehrt Algen und Bakterien ausbreiten können. Auch die deutsche Landwirtschaft kann stark von einer Hitzewelle und einer damit einhergehenden Dürre betroffen sein. Dabei sind jedoch Obst-, Getreide- und Milchbauern unterschiedlich stark betroffen: 2018 ist bundesweit durchschnittlich mit Einbußen in der Getreideernte aufgrund der hohen Temperaturen und ausbleibender bzw. nicht ausreichender Niederschläge zu rechnen: der Deutsche Bauernverband rechnet mit 36 Mio. Tonnen Getreideertrag (Getreideertrag 2017: 45.3 Mio. Tonnen). Winzer hingegen profitieren von der starken Hitze, da dadurch eine frühe Ernte ermöglicht wird.

Die gesundheitlichen Folgen durch Hitzewellen sind vielfältig und betreffen vor allem vulnerable Bevölkerungsgruppen wie beispielsweise ältere Menschen, Kinder oder körperlich beeinträchtigte Menschen mit chronischen Erkrankungen. Die Mortalität und Morbidität kann dadurch erhöht werden. Die übermäßige Ozonkonzentration reizt die Schleimhäute und kann Atemwegserkrankungen auslösen. Weitere Folgen können ein Herz-Kreislauf-Probleme, Schlafstörungen oder Kopfschmerzen sein. Im Jahrhundertsommer 2003 starben in Deutschland über 9.300 Menschen, in ganz Europa waren es geschätzt 70.000 Todesopfer in Folge der Hitzewelle.

Weitere Informationen unter

  • Ratgeber – Klimawandel und Gesundheit: Informationen zu gesundheitlichen Auswirkungen sommerlicher Hitze, Hitzewellen und Tipps zum vorbeugenden Gesundheitsschutz (Umweltbundesamt, Deutscher Wetterdienst)

 

Notfall- Apps

  • NINA - Notfall-Informations- und Nachrichten-App:  NINA warnt deutschlandweit und bei Bedarf standortbezogen vor Gefahren, wie z. B. Hochwasser und anderen Großschadenslagen
  • Mit der WarnWetter App des DWD sind Sie auch mobil immer auf dem neuesten Stand. Die kostenlose App vom DWD versorgt die Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes sowie die breite Öffentlichkeit mit wichtigen Hinweisen zur aktuellen Warn- und Wettersituation
  • Die kostenfreie HitzewarnApp des Deutschen Wetterdienstes informiert Sie automatisch mit PushBenachrichtigungen über bestehenden Hitzewarnungen in einem vorher ausgewählten Gebiet.
  • In der neuen BauwetterApp der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft können sich Personen, die in der Bauwirtschaft und in baunahen Dienstleistungen tätig und damit viel draußen sind, über die gesundheitlichen Auswirkungen von Wettereinflüssen informieren. Zusätzlich werden notwendige Arbeitsschutzmaßnahmen aufgezeigt.
  • Die umweltinfoApp des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz informiert und warnt Bayerns Bürger standortbezogen und in Echtzeit bei ausgewählten Umweltgefahren. Während einer Hitzewelle sind vor allem Informationen zu Ozonwerte, dem UVIndex sowie der Waldbrandgefahr von Interesse.