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Weltweit hungert jeder neunte Mensch. Unter-, Mangel-, und Fehlernährung können Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft haben. Daher möchten wir uns auf dieser Seite dem Thema Ernährungssicherheit widmen.

Ernährungssicherheit

Von Ernährungssicherheit spricht man, wenn alle Menschen jederzeit auf eine ausreichende, gesunde als auch nahrhafte Nahrung zugreifen können, die ihren Nährstoffbedarf deckt und den Essgewohnheiten entspricht. Um dies zu gewährleisten, müssen die folgenden vier Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Physische Verfügbarkeit (ausreichendes Angebot an Nahrungsmitteln)
  • Wirtschaftlicher und physischer Zugang (setzt ausreichende Einkommen, stabile Märkte und erschwingliche Preise voraus)
  • Versorgung mit Trinkwasser, Abwasserreinigung und Gesundheitsversorgung
  • Stabilität in Bezug auf den Zugang zu Nahrungsmitteln (auf kurze, mittlere und lange Sicht)

Unterernährung kann ein akuter oder chronischer Zustand sein. Unterernährung über einen abgrenzbaren Zeitraum wird häufig als akute Unterernährung oder akuter Hunger bezeichnet. Akuter Hunger ist die extremste Form von Hunger. Er tritt häufig in Zusammenhang mit Krisen wie Dürren bedingt durch El Niño, Kriegen und Katastrophen auf. Oft trifft er Menschen, die bereits unter chronischem Hunger leiden. Dies gilt laut Welthungerhilfe für knapp acht Prozent aller Hungernden.

Wenn Hunger und/oder Unterernährung zu einem dauerhaften Zustand werden, so spricht man von einer chronischen Unterernährung. Dabei nimmt der Körper weniger Nahrung auf, als er braucht. Obwohl die Medien meist über akute Hungerkrisen berichten, ist chronischer Hunger global am weitesten verbreitet. Er tritt meist in Zusammenhang mit Armut auf. Chronisch Hungernde haben zu wenig Geld für eine gesunde Ernährung, für sauberes Wasser oder eine Gesundheitsversorgung.

 


Potenzielle Ursachen für Hunger und Ernährungsunsicherheit

Der Grund für Ernährungsunsicherheit liegt häufig nicht in der Knappheit von Nahrungsmitteln; es ist oftmals eine Verkettung verschiedener Faktoren, welche Ernährungsunsicherheit begünstigen. Zu den Ursachen für Ernährungsunsicherheit zählen der Welthungerhilfe zufolge Kriege und Konflikte, Naturkatastrophen, Armut und Ungleichheit. Außerdem kommen verzerrter Welthandel, schlechte Regierungsführung sowie Ressourcenverschwendung und Klimawandel hinzu. Hierzu zählen beispielsweise die steigende Nachfrage nach Produkten, der Druck durch Bevölkerungswachstum, mangelnde Verfügungsrechte, Export von Agrarprodukten, Wasserknappheit, Verlust der Artenvielfalt, Produktionsrückgang und extreme Naturereignisse (WHH), Konfliktgebiete, Bewohner_innen informeller Siedlungen, Frauen und Kinder sowie Haushalte mit niedrigem Einkommen und unsicherer Existenzgrundlage sind von Ernährungsunsicherheit besonders häufig betroffen.

Gleichzeitig ist Unterernährung nicht nur die Folge von Armut, sondern kann auch selber Armut verursachen. Denn wenn Mangelernährung schon im Mutterleib auftritt, kann dies später beim Kind zu einem geschwächten Immunsystem und Einschränkungen der körperlichen und geistigen Entwicklung sowie Leistungsfähigkeit führen. Somit sinken die Verdienstchancen, und das Armutsrisiko steigt.

Thema Nahrung als Teil politischer Diskurse

Das Thema Nahrung und Ernährungssicherheit ist bereits seit geraumer Zeit Teil politischer und öffentlicher Diskurse. So gehört das Recht auf Nahrung seit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 zu den anerkannten internationalen Menschenrechten.

Im Jahr 1961 wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen sowie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (engl. Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen, kurz FAO) die humanitäre Einrichtung "Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen" (engl. World Food Programme; WFP) aufgebaut, um die Nahrungsmittelvorsorge in Kriegs- und Katastrophengebieten zu sichern.

Seitdem ist das Thema Hunger und Ernährungssicherheit auch in der UN-Sozialcharta (Art. 11 Recht auf Nahrung) verankert. Im Jahr 2004 wurde im FAO-Rat ein Dokument verabschiedet, welches als freiwillige Leitlinie zur Unterstützung des schrittweisen Rechts auf Nahrung im Rahmen der nationalen Ernährungssicherheit dient. In dem Dokument werden Rechte und Pflichten zum Thema Ernährungssicherheit und Recht auf Nahrung festgehalten. 187 Staaten haben sich darauf geeinigt, maximale Ressourcen zur Sicherstellung der Ernährung ihrer Bevölkerung zu nutzen. Ferner besagt das Dokument, dass der Staat die Bereitstellung von Nahrung gewährleisten muss, wenn Individuen oder Gruppen sich nicht selber ernähren können und die Gründe hierfür außerhalb ihrer Ressourcen liegen. Sollte der Bedarf an Nahrung die begrenzten nationalen Ressourcen übertreffen, so müssen sich die Staaten um internationale Unterstützung bemühen, um eine Hungersnot zu vermeiden.

Einen Überblick zu den verschiedenen Richtlinien finden Sie in der folgenden Tabelle.

 

Verankerung des Themas Nahrung und Ernährungssicherheit in Richtlinien – ein Überblick:

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948)

Artikel 3: Recht auf Leben

Artikel 25: Recht auf einen für die Gesundheit und das Wohl gewährenden Lebensstandard

UN-Sozialcharta (UN-Sozialpakt 1966)

Artikel 11: Recht auf ausreichende Nahrung

Kinderrechtskonvention (1989)

Artikel 24: Recht auf Höchstmaß an Gesundheit

Artikel 27: Recht auf einen angemessenen Lebensstandard

Frauenrechtskonvention (1979)

Artikel 12: Recht auf gleichen Zugang zu Gesundheitsdiensten, Betreuung und ausreichend Ernährung während der Schwangerschaft und Stillzeit

Afrikanische Menschenrechtscharta (Banjul Charta 1981)

Artikel 21: Recht auf Zugang zu natürlichen Reichtümern und Ressourcen

Milleniumsentwicklungsziele (MDG,  2000)MDG 1: Beseitigung von extremer Armut und Hungersnot
Ziele der nachhaltigen Entwicklung (SDG, 2017)Ziel 2: Zero Hunger

Mehr Informationen unter: http://www.bpb.de/internationales/weltweit/welternaehrung/178491/menschenrecht-auf-nahrung

 


Schäden und Vorsorgemaßnahmen

Nothilfemaßnahmen alleine können keine nachhaltige Versorgung der betroffenen Bevölkerung sicherstellen. Im Welthungerindex wird daher empfohlen, zunächst den unausgewogenen Machtverhältnissen, die durch Gesetze, Politik und Verhaltensweisen verstärkt werden, entgegenzuwirken. Dies kann beispielsweise durch Bildung und soziale Sicherungsnetze geschehen. Auch bietet die aktive Einbeziehung von Nahrungsmittelerzeuger_innen, Zivilgesellschaft und Kleinproduzierenden in politische Entscheidungsprozesse die Möglichkeit, den Hunger dort zu bekämpfen, wo er entsteht (weitere Handlungsempfehlungen siehe Welthungerindex 2017: 31).
 

Ein möglicher Ansatz zur Vorsorge ist das ernährungsbasierte Entwicklungskonzept LANN+ (Linking Agriculture and Natural Resource Management towards Nutrition Security) der Welthungerhilfe. Mit Hilfe von lokal angepassten Strategien von Expert_innen und der Bevölkerung soll die Ernährung in abgelegenen Regionen gesichert werden. Hierfür werden beispielsweise Rollenspiele, Theaterstücke oder Kochkurse genutzt, welche die Beteiligten dabei unterstützen sollen, Probleme zu identifizieren. Mit solchen Maßnahmen hat LANN+ in Sierra Leone deutliche Verbesserungen der Ernährungssituation herbeigebracht.

Das Deutsche Rote Kreuz unterstützte den Sudanesischen Roten Halbmond (SRCS) und seine Freiwilligen im Osten des Sudans dabei, durch das Projekt zur Stärkung von Landwirtschaft und Resilienz die Ernährungssituation in ausgewählten Gemeinden langfristig zu verbessern. Da der Niederschlag in der Region Al Goreisha immer unbeständiger wird, wurden  Saatgüter weggespült oder Ernten vertrockneten. Dies lässt die Produktionskosten steigen. DRK und SRCS unterstützten daher Haushalte beim Anlegen von Gemüsegärten. Außerdem nehmen die Bauern an praktisch ausgerichteten landwirtschaftlichen Trainings teil und lernen verbesserte Anbaumethoden, sodass eine ausgewogenere und sicherere  Ernährung der Haushalte ermöglicht werden kann.