12. Forum Katastrophenvorsorge

Gustav-Stresemann-Institut (GSI)
Langer Grabenweg 68
53175 Bonn
13.-14. November 2012
Die Weiterentwicklung der Katastrophenvorsorge erfordert umfangreiches Wissen und Können, aber vor allem auch dessen Umsetzung in praktisch wirksame Maßnahmen. Jede potenziell betroffene Gruppe oder zuständige Einrichtung, von der Bevölkerung bis hin zum Katastrophenmanagement, hat andere Erfahrungen und Vorkenntnisse. Daher ist es für jede der beteiligten Gruppen oder Einrichtungen erforderlich, eigene Vermittlungswege und -verfahren für Wissen und Können zu entwickeln.
Das 12. Forum hat das Ziel, vor allem den Transfer in praktische Bereiche anzusprechen. Die Sitzungen sind so angelegt, dass sie jeweils einen wichtigen Aspekt ansprechen und so in ihrer Gesamtheit versuchen, die ganze Breite des Tagungsthemas widerzuspiegeln. Angesprochen zur Tagungsteilnahme sind alle, die zum aktuellen Stand der Diskussion von Gesamtthema und/oder Sitzungsthemen beitragen oder sich darüber informieren wollen.
Programmübersicht mit Anmeldeformular
SESSIONS
- Bildungs als Katastrophenvorsorge
Convener: Prof. Dr. R. Dikau (Uni. Bonn), Dr. W. Geier (BBK)
In allen Bereichen der Gesellschaft stellt die Bildung eine Schlüsselaufgabe der Katastrophenvorsorge dar. Die höchst diversen Problemstellungen der Risikothematik erfordern grundlegende und weiterführende Inhalte der Curricula der Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen in privater und öffentlicher Trägerschaft. Diese Sitzung soll einen Status quo-Überblick der Aktivitäten in den Sektoren der allgemeinbildenden Schulen sowie der Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Katastrophenvorsorge auf Bundes- und Länderebene geben und diese bewerten.
- Risikokommunikation und Selbsthilfe
Convener: T. Weber (DRK), Dr. A. Steinführer (vTI)
Um „mit Risiken zu leben“ müssen Risiken, Krisen und der richtige Umgang damit vor allem der Bevölkerung vermittelt werden. „Risikokommunikation und Selbsthilfe“ sind häufig verwendete Begriffe im Bevölkerungsschutz, jedoch fehlt es einerseits an wirkungsvollen Konzepten, diese in die Tat umzusetzen, und andererseits an Forschung, die beide Aspekte in ihren Bezügen untersucht. Die Bevölkerung verlässt sich aufgrund der professionalisierten und perfektionierten alltäglichen Gefahrenabwehr im Krisenfall weitgehend auf eine Versorgung sowie die Durchführung von Existenzsicherungs- und Lebensrettungsmaßnahmen durch Behörden und Organisationen. Ein Wissen über Selbsthilfemaßnahmen und das Bewusstsein der Selbstverantwortung zur Abwehr von Gefahren ist bei vielen Bürgern nicht vorhanden. Es gibt diesbezüglich also erheblichen Forschungs- und Handlungsbedarf.
In den Vorträgen zu thematisierende Aspekte sollten eine oder mehrere der folgen - den Fragen aufgreifen: Welche Selbsthilfekonzepte für die Bevölkerung sind sinnvoll, und wie ist es um deren Akzeptanz bestellt? Wie kann die Bevölkerung dazu bewegt werden, mehr Verantwortung in einer Krisensituation zu übernehmen? Gibt es Beispiele, dass dies in der Vergangenheit geschehen ist und welches waren die Bedingungen dafür? Wie sollte die Kommunikation vor, während und nach einer Krise mit der Bevölkerung gestaltet werden, um Risiken bewusst zu machen? Welche Kanäle sollten unter der Berücksichtigung neuer kommunikationstechnischer Möglichkeiten dabei berücksichtigt werden? Welche Bevölkerungsgruppen werden typischerweise nicht erreicht oder müssen besonders beachtet werden, und was hat dies für Konsequenzen für die Risikokommunikation von morgen? Welche belastbaren Erkenntnisse gibt es über die Effekte unterschiedlicher Arten von Risikokommunikation auf Selbsthilfemaßnahmen der Bevölkerung?
- Vulnerabilität: Analyse, Szenario - und dann?
Convener: Dr. J. Birkmann (UNU-EHS), J. Prey (GIZ)
Nach dem neusten Spezialbericht des IPCC „Managing the Risk of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation“ ist es erforderlich, besser als bisher die räumlichen und zeitlichen Dynamiken von Vulnerabilität zu erfassen. Vulnerabilität ist nicht statisch, sondern verändert sich auf der Zeitachse und im Kontext von Krisen und Katastrophen, wie die Beispiele aus Japan oder Haiti zeigen. Trotz dieser Erkenntnis basieren die meisten Risikoanalysen etwa im Kontext des Klimawandels auf unterschiedlichen Szenarien, wohingegen die Daten zur Vulnerabilität in der Regel auf den Ist-Zustand ausgerichtet sind. Zudem sind Vulnerabilitätsassessments (VA) lediglich Momentaufnahmen. In der Praxis stellt sich die Frage, wie VA fortgeschrieben werden können. Neue Antworten auf die Frage, wie man dynamische Veränderungen von Vulnerabilität kontinuierlich erfassen und bewerten kann, sind daher gefragt. Wie vulnerabel sind wir beispielsweise im Jahr 2050 gegenüber Hitzewellen bei unterschiedlichen Szenarien des demographischen Wandels? Die Session soll in dieser Hinsicht aktuelle Ansätze der Vulnerabilitätsforschung im Kontext der Naturrisiko- und Klimawandelforschung diskutieren und neue methodische und inhaltliche Herausforderungen an Vulnerabilitätsanalysen in Forschung und Praxis aufzeigen.
- IRDR - Integrated Research on Disaster Risk
Convener: Prof. Dr. T. Schlurmann (Franzius-Institut, Uni. Hannover), Prof. Dr. G. Tetzlaff (Uni. Leipzig)
In its 2008 published noteworthy Science Plan for Integrated Research on Disaster Risk (IRDR) - Addressing the Challenge of Natural and Human-induced Environmental Hazards, the International Council for Science (ICSU) announces a 10-year international research programme aiming to serve the growing global needs in addressing disasters and reducing disaster risk. Given that background, the session IRDR invites papers following at least one of three main objectives and one cross-cutting theme: i) Identifying hazards and vulnerabilities leading to risks, Forecasting hazards and assessing risks, Dynamic modeling of risk, ii) Identifying relevant decision-making systems and their interactions, Understanding decision-making in the context of environmental hazards, Improving the quality of decision-making practice, iii) Vulnerability assessment, Approaches to risk reduction and the cross-cutting theme: Capacity Building, Case Studies, Data Management and Monitoring.
- Was können wir aus Katastrophen lernen?
Convener: H.-J. Koppert (DWD), B. Velte (DRK)
Scheinbar waren die großen Veränderungen im deutschen Bevölkerungsschutz immer wieder von großen Ereignissen geprägt wie beispielsweise der Sturmflut in Hamburg 1962, der Oderflut 1998, dem Orkan Lothar 1999 oder der Elbeflut 2002. Aus all diesen Ereignissen wurden Erfahrungen aufbereitet und diskutiert. Viele davon führten zu neuen Erkenntnissen, die heute ganz selbstverständlich in den Schutz der Bevölkerung einfließen – etwa in die Prognose, die Warnung und auch die politischen Rahmenbedingungen sowie die Aufstellung der Einsatzkräfte. Welche Anstrengungen wurden hierzu von Seiten der Wissenschaft unternommen um die Prognosen zu verbessern, wie wurden diese Erkenntnisse in die operative Praxis überführt und wie konnten diese Informationen zu einer besseren Bewältigung der Katastrophe vor Ort genutzt werden?
Doch haben wir wirklich alle Lehren gezogen, alle Lektionen gelernt? Und sind alle großen Änderungen wirklich Reaktionen auf große Ereignisse gewesen? Fließen alle Erkenntnisse am Ende in die Praxis ein? Was führt zur Umsetzung, oder eben nicht, einer Erkenntnis? Wie lern- und reformfähig war der deutsche Bevölkerungsschutzin der Vergangenheit? Gleichzeitig scheint heute – insbesondere in Zeiten des Klimawandels – eine rein historische Analyse nicht mehr auszureichen. Prognosen deuten an, dass sich Klima und Wetter verändern werden, aber können wir genau vorhersagen wie? Es scheint als müsse der Bevölkerungsschutz flexibler werden, um den Gefahren von morgen zu begegnen. Wie lern- und reformfähig muss der deutsche Bevölkerungsschutz in Zukunft sein?
WORKSHOPS
- Workshop I: Algorithmen in der Katastrophenvorsorge
Convener: Prof. Dr. S. Pickl (Uni. Bundeswehr München)
In diesem Workshop soll ein inhaltlicher Überblick über die zentralen Themen "Simulation, Optimization and Complex Systems-Algorithm Engineering for Cascading Effects in Risk Environments" gegeben werden.
In einer Einführung zur Thematik "Risk Environments and Cascading Effects" soll gezeigt werden, wie der Umgang mit solchen Effekten durch ein integratives Risk Management verbessert, und das Bewusstsein in der Bevölkerung und bei Experten für besondere kritische Situationen sensibilisiert werden kann. Motivierend werden dabei einzelne Problembereiche identifiziert und spezifische Charakteristika für spezielle Risikogebiete dargestellt.
Darüber hinaus sollen ausgewählte Lösungseinsätze einer IT-basierten Entscheidungsunterstützung und spezielle Simulationsansätze vorgestellt werden, welche unter Einbeziehung moderner Optimierungsverfahren komfortable Datenuntersuchungen sowie algorithmische Analyse-Ansätze gestatten. Ein abschließendes Expertengespräch wird diesen thematischen Teil abrunden. Es ist vorgesehen, Gäste einzuladen, die an dem internationalen RAHS (Risk Assessment Horizon Scanning) Programm mitarbeiten.
- Workshop II: Risiko lehren und lernen: Curricula der Schulen
Convener: Prof. Dr. K.-H. Otto (Ruhr-Uni. Bochum), Prof. Dr. L. Mönter (Uni. Trier)
Der Workshop widmet sich dem Thema „Risiko“ im Schulunterricht. Dabei sollen folgende Leitfragen diskutiert werden: In welchem Umfang wird das Thema „Risiko“ im Unterricht behandelt? In welchen Fächern und in welchen Altersgruppen geschieht dies? Welche Inhalte stehen dabei im Vordergrund? Zeigen sich Defizite im Hinblick auf die vermittelten Inhalte? Der Workshop soll darüber hinaus einen Ausblick auf mögliche Konsequenzen für die Schüler- und Lehrerbildung in Deutschland geben.
VERANSTALTER
- Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge (DKKV)
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)
- Geoverbund ABC/J
- Masterstudiengang Katastrophenvorsorge und -management (KaVoMa)/
Universität Bonn
- United Nations University - Institute for Environment and Human Security (UNU-EHS)
In Kooperation mit
- Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
- Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
KONTAKTADRESSE
Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge e. V. (DKKV)
Friedrich-Ebert-Allee 38
D-53113 Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 619 – 1297
Fax: +49 (0)228 / 619 – 1953
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Internet: http://www.dkkv.org